Leitlinie für die Asbesterkundung von älteren Gebäuden erschienen


Von:  Bundesverband - Dr. Oliver Nicolai / Christine Marzulla / 24.04.2020 / 08:27 / 42 Tag(e)


Die "Leitlinie für die Asbesterkundung zur Vorbereitung von Arbeiten in und an älteren Gebäuden" setzt eine zentrale Forderung des Handwerks im nationalen Asbestdialog um, die Auftraggeberseite stärker über ihre Pflichten zu informieren. Ihre Veröffentlichung soll nun auch private Auftraggeber sensibilisieren, sich Gedanken um das Thema Asbest bei Renovierung von Gebäuden vor 1993 zu machen.


Wichtig: Es handelt sich um eine Leitlinie, die zu einer Zeit kommt, in der noch nicht alle Fragen abschließend geklärt sind. Sie gibt Empfehlungen, die aktuelles Recht widerspiegeln, das aber im Detail in vielen Bereichen gerade konkretisiert wird. Die Vorbemerkungen der Leitlinie sind mitzulesen. Konkrete Regeln werden mit der nächsten Gefahrstoffverordnung erwartet.

Hauptadressaten der Leitlinie: Private Auftraggeber, Mieter, Heimwerker

Während öffentliche Auftraggeber über ihre Verantwortung zur Schadstofferkundung (Landesbauordnungen, VOB, BGB, Immissionsschutz, Abfallrecht...) vor Vergabe von Bauleistungen meist im Bilde sind, ist dies bei privaten Auftraggebern oft nicht der Fall. Privaten Auftraggebern soll mit der Leitlinie eine Hilfestellung gegeben werden, wenn Baumaßnahmen für Gebäude beauftragt werden, in denen aufgrund der Bauzeit vor 1993 mit Asbest gerechnet werden muss. 
Bisher konnte bei Nichtfachleuten von Nichtwissen ausgegangen werden, der Handwerker musste das Thema aber im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung - seit 2004 ist dies bezüglich Asbest in der Gefahrstoffverordnung  ausdrücklich festgeschrieben - berücksichtigen. Nun ist diese Veröffentlichung seitens der staatlichen Stellen Umweltbundesamt (Uba), Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Hilfreiche Informationen für den Handwerker?

Für den Handwerker ist die Leitlinie ebenfalls hilfreich, sie enthält zwei anschauliche Diagramme, wie die Abläufe bei Renovierungen sein sollen und welche Alternativen (mit/ohne Erkundung) in der Renovierung in Frage kommen. Sie gibt außerdem im Anhang Beispiele für Tätigkeiten, die nicht als Umgang mit Asbest angesehen werden.

Die Leitlinie ist vor allem eine Hilfestellung in der Angebotsvorbereitung

Eine durchgeführte Erkundung befreit den Handwerker von unnötigen Risiken und schafft klare Kalkulationsgrundlagen. Die Leitlinie hilft dabei, und im Rahmen einer Beauftragung sollte der unwissende Kunde auf sie hingewiesen werden. 
Die Erkundung bringt auch für den Gebäudeeigentümer Vorteile. Sie gibt Sicherheit z. B. bei Vermietung oder Nutzung des Gebäudes durch Dritte. Vor Verkauf oder Abbruch werden Erkundungen zukünftig eine größere Rolle spielen. Letztlich werden Erkundungen zu irgendeinem Zeitpunkt sowieso erfolgen müssen.

Häufig gestellte Fragen

Bis wann muss in alten Gebäuden mit Asbest gerechnet werden?
Hier wird der 31.10.1993 vorgeschlagen. 

Müssen Eigentümer ein Schadstoffkataster für ihr Gebäude erstellen?
Nein, es wird über anlassbezogene Untersuchungen gesprochen. Asbest soll erkundet werden, wenn durch die Baumaßnahme die Gefahr einer Freisetzung besteht.  

Wer soll die Asbesterkundung veranlassen?
Der Veranlasser der baulichen Maßnahme. Veranlasser kann der Bauherr, Gebäudeeigentümer, Mieter oder sogar Heimwerker sein, jedenfalls nicht der ausführende Handwerker. 

Muss zwingend eine Erkundung oder Asbestbeprobung durchgeführt werden?
Nein, es kann auch so gearbeitet werden als wäre Asbest vorhanden (worst case, Schutzmaßnahmen). Oder es findet gar kein Umgang mit einem potenziell asbesthaltigen Untergrund statt (Überdecken ohne Eingriff in den Untergrund). 

Wann gilt ein Abfall als asbesthaltig und muss deponiert werden?
Dies ist Ländersache und (als %-Gehalt) noch nicht definitiv festgelegt. Ist aber der beprobte Baustoff nachgewiesen asbesthaltig, wird auch der Abfall als asbesthaltig gelten. Wird nicht untersucht oder aus der Historie  nicht schlüssig dargelegt, dass Baumaterialien nicht asbesthaltig sind, gilt der Abfall als asbesthaltig. 

Wieviele Proben sind erforderlich um von Asbestfreiheit ausgehen zu können?
Auch hier gibt es noch keine klaren Aussagen. Es wird eine ausreichende statistische Sicherheit verlangt werden. Das sind bei homogen verarbeiteten Produkten wie einem Bodenbelag oder Fliesenkleber sehr wenige Proben. Ist eine Probe positiv, kann man davon ausgehen, dass die gesamte Fläche positiv ist. Bei einer Fleckspachtelung unter einer Tapete wird man viele Proben benötigen um einen "Treffer" zu landen.

Alter: 42 Tag(e)
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